31.12.2021 • Wie waren noch gleich die Wünsche und Vorausschauen Ende 2020? Auf ein besseres Jahr 2021 … es kann ja nicht schlechter werden … habe ich auch gesagt. Und? War 2021 nun besser als 2020? Hmm … nee, eher nicht.

Das erste Halbjahr war von der Auftragslage her eine absolute Katastrophe. Die Leichtathletik-Hallensaison bestand aus einer einzigen Veranstaltung, den Deutschen Hallenmeisterschaften Mitte Februar in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle . An jenem Wochenende war es draußen so warm – Sonne, knapp 20 Grad –, dass man die Wettkämpfe auch entspannt im benachbarten Stadion Rothe Erde hätte ausrichten können.

Wir erinnern uns. November-Lockdown im Herbst 2020. Damit wir Weihnachten retten und feiern können … ging schief wie vieles in der Pandemie. Das Elend zog sich bis ins Frühjahr hin. Echt gruselig. Nur Profisport war erlaubt. Für Aachen hieß das: Volleyball-Bundesliga mit den Ladies in Black und die Alemannia-Kicker in der Regionalliga West, die sich mal eben selbst zu Profisportlern erklärt haben. Gut, mir sollte es recht sein. Immerhin ein paar Heimspiele. Aber das war es auch schon in Sachen Sportfotografie in der Region. Sonst gab es nichts, über das man in Bild und Text hätte berichten können. Und Geschichten darüber, wie Athlet X oder Verein Y mit Corona umgeht, tragen auch nicht über Monate. Leben kann man von dem bisschen nicht. Vielen Branchen in Kunst, Kultur und Freizeit ging und geht es noch schlechter.

Da war die sogenannte Neustarthilfe als staatliche Unterstützung sehr hilfreich. Bei mir zumindest. Offensichtlich ist die breite Kritik an den bis dahin aufgesetzten Hilfen nicht gänzlich auf taube Ohren gestoßen. Auch wenn es viel zu lang gedauert hat. Die Soforthilfe aus dem Frühjahr 2020, die folgenden Überbrückungshilfen, die waren allesamt für die meisten Freiberufler völlig ungeeignet. Die Neustarthilfe für die erste Jahreshälfte 2021 und die folgenden Neustarthilfen Plus hingegen sind gut an den Bedürfnissen der Freiberuflerinnen ausgerichtet, da am Umsatz orientiert und nicht an den (meistens kaum vorhandenen) Betriebsausgaben.

Im Sommer kam die Leichtathletik dann doch wieder einigermaßen in Schwung. Zumindest auf nationaler Ebene konnten (fast) alle Meisterschaften ausgetragen werden. Los ging es mit der DM Langstrecke am 1. Mai in Mainz . Wegen der Olympischen Spiele lag die DM der Männer und Frauen Anfang Juni in Braunschweig schon sehr früh im Jahr. Insgesamt war ich 2021 aber nur bei 15 Leichtathletik-Veranstaltungen, inklusive der DM Cross kurz vor Weihnachten. Das ist wenig und hatte seine Ursache hauptsächlich in der nahezu komplett ausgefallenen Hallensaison. In den Jahren vor Corona waren es stets 25 bis 30 Termine.

Auf den Saisonhöhepunkt, die Olympischen Spiele in Tokio, habe ich verzichtet und meine Akkreditierung zurückgegeben . Unter den gegebenen Bedingungen und den coronabedingten Einschränkungen hätte es mir wenig gebracht und erwartungsgemäß noch weniger Spaß gemacht, nach Tokio zu fliegen. Ich habe die Entscheidung nicht bereut. Früher kam es immer wieder vor, dass ich mich, wenn ich die Übertragung im TV verfolgt habe, geärgert habe, nicht vor Ort zu sein. Diesmal überhaupt nicht.

Wie sinnvoll und nützlich zur Verhinderung von Infektionen die diversen Maßnahmen tatsächlich waren, darüber lässt sich trefflich diskutieren. Nicht nur in Tokio, auch bei Veranstaltungen in Deutschland. Während im Sommer die Maskenpflicht im Freien schon längst aufgehoben war, galt das nicht – entgegen allen Erkenntnissen der Aerosolforscher (eine Spezies, die ich übrigens bisher gar nicht kannte) – bei vielen Leichtathletik-Veranstaltungen. Die Krönung in dieser Hinsicht war das Mehrkampf-Meeting in Ratingen. 30 Grad im nicht vorhandenen Schatten und FFP2-Maskenpflicht! Stundenlang bei brütender Hitze mit so einem Ding herumzulaufen, das ist wenig lustig. Und bringt noch nicht einmal etwas. Die Kampfrichterinnen waren bedient. Wir auch.

Nicht falsch verstehen. Natürlich bietet eine FFP2-Maske Schutz. Aber im Freien, mit eher weniger Leuten, in einem großen Stadion, mit frischer Luft, da ist die Ansteckungsgefahr dermaßen gering, dass eine Maskenpflicht Unfug ist.

Beim Hallensport, den ich in den vergangenen Monaten häufig in Aachen und Umgebung fotografiert habe, würde ich mir hingegen eine FFP2-Maskenpflicht wünschen. Zu oft sehe ich bei Zuschauern schräg-diagonal sitzende OP-Masken, die, unter der Nase hängend, primär als Kinnwärmer dienen.

Zurück in den Spätsommer. CHIO in Aachen. Das größte Reitturnier der Welt ist im Sommer wegen Corona abgesagt und in den September verschoben worden. Für die Zuschauerinnen gab es nur Sitzplätze, die Anzahl der (Bild-) Journalisten war drastisch reduziert. Für uns, die vor Ort waren, waren es sehr angenehme Arbeitsbedingungen. Vor allem, weil rund um den Parcours im Hauptstadion alles frei war. Normalerweise tummeln sich dort bei den Top-Wettkämpfen tausende von Zuschauern.

Auf dem gesamten Gelände galt Maskenpflicht – außer, man saß auf seinem Sitzplatz. Also wie zum Beispiel in Restaurants. Der Sinn dieser Regelung hat sich mir noch nie erschlossen. Warum ist es am Sitzplatz neben anderen Menschen ungefährlicher als beim Umhergehen?

Das hieß auch, die Helferinnen im Parcours oder wir Fotografen mussten, obwohl wir meist mutterseelenallein mit großem Abstand zu anderen Personen im Stadion oder Gelände standen, die Maske tragen. Aber im CHIO-Restaurant saß man schön eng zusammen beim Essen wie eh und je. Der Raum war sogar kleiner als in den früheren Jahren, wohl mit dem Hintergedanken, dass weniger Personen dort speisen würden. So wurde die Chance verpasst, das Ganze etwas luftiger zu gestalten. Alles in allem: Logik ist da schwerlich zu erkennen. Einerseits unnötige Maßnahmen, die nur nerven und eher nichts zur Verhinderung von Infektionen beitragen, andererseits passiert in Bereichen, wo es potenziell tatsächlich gefährlich ist, wenig.

Davon abgesehen war ich natürlich froh, dass das CHIO 2021 nach einem Jahr Zwangspause überhaupt wieder stattgefunden hat. Wenn auch in vielerlei Hinsicht ein wenig auf Sparflamme. Es bot mir erstmals die Gelegenheit, mit der Sony-Ausrüstung Reitsport zu fotografieren. Ich war sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Und auch damit, wie ich fotografiert habe respektive durch die Ausnutzung der Technik fotografieren konnte. Ich habe erst ein wenig experimentiert, was die günstigsten Einstellungen sind. Überwiegend habe ich mit Gesichts-/Augen-AF und Tracking fotografiert und konnte mich darauf auch verlassen. Fast keine unscharfen Bilder.

Dabei gab es einige wenige Situationen, in denen der AF den Reiter verloren hat. Das passierte zum einen bei größerer Entfernung von etwa 50 Metern, wenn nicht weit dahinter (10 bis 15 Meter) auf der Tribüne Personen saßen und der Fokus schon mal auf eine der Zuschauerinnen sprang. Zum anderen, wenn, ebenfalls bei größerer Entfernung, der Reiter frontal auf mich zukam, der Kopf des Reiters also direkt über dem des Pferdes war, und der Fokus hin und wieder erstaunlicherweise vom Kopf des Reiters auf den des Pferdes sprang, obwohl meine Alpha 9 II eigentlich keine Tier-Erkennung hat. Ich musste dann den Fokus neu setzen.

Angenehmerweise lief im Herbst auch der gesamte übliche Lokalsport hier in der Aachener Region an. Fußball auch unterhalb der Regionalliga, Volleyball – nicht nur die Ladies –, Handball, Basketball. Schwimmen und Wasserspringen standen auch auf dem Programm. Und das in der Regel dank 2g auch mit Zuschauern. Ich hatte bis kurz vor Weihnachten gut zu tun. Ich hoffe, das geht nach den Feiertagen im neuen Jahr auch so weiter. Wenn auch wahrscheinlich mit vorerst weniger oder ohne Zuschauer.

Sehr viel Freude macht es in der Regel, die Aachener Ladies in der Volleyball-Bundesliga abzulichten. Da kann ich mich fotografisch richtig austoben: weit weg, nah dran, Tele, Weitwinkel, unterschiedliche Positionen. In der Regel sind die Fotogalerien für Nicht-Abonnenten der Aachener Nachrichten/Zeitung gesperrt. Hier eine Ausnahme: Bilder vom Spiel gegen Straubing . Das ist ein schöner und hochklassiger Sport, eine tolle Stimmung, Fairness und viel Respekt gegenüber der Gastmannschaft. Was man bei einer anderen Sportart, bei der auch mit einem Ball, allerdings im Freien, gespielt wird, schon mal vermisst.

Dabei kam 2021 die gleiche Ausrüstung wie im Jahr zuvor, als ich im Januar auf Sony umgestiegen war, zum Einsatz. An den drei Alpha 9 II sind als Objektive ein 200-600er, ein 70-200er und ein 24-70er geschraubt. Alle von Sony. Hinzu kommt, wenn es mal ganz weit werden soll, ein 14-24er von Sigma. Ich bin weiterhin sehr glücklich damit, es macht viel Spaß, damit zu arbeiten. Mit der Alpha 9 II gibt es auch beim elektronischen Verschluss, den ich, außer, wenn ich mal Blitzen muss, immer einsetzte, keine Probleme mit Rolling Shutter. Das einzige, was mir fehlt, ist ein 300/2.8. Das gibt es von Sony für den E-Mount tatsächlich (immer noch) nicht. Ich erwähne diese unschöne Lücke im Angebot bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, wenn ich jemanden von Sony sehe oder spreche. Bisher noch ohne durchschlagenden Erfolg. Ich bin übrigens nicht der einzige, der das so sieht. Der Kollege Patrick Murphy-Racey hat ein engagiertes Video zum Thema aufgenommen .

Wie zum Ende des letztjährigen Jahresrückblicks angekündigt, habe ich mich so schnell wie möglich impfen lassen. Und geboostert bin ich natürlich auch. Dank der von Bill Gates in die Impfstoffe eingebauten Chips kann ich meine Macs mittlerweile per Gedanken steuern. Dolle Sache. Echt praktisch. Allerdings klappte das erst nach dem Upda … äh, Booster mit Moderna. Nimmt man bei „Moderna“ die Buchstabenfolge „odern“ weg und fügt ein „c“ hinzu – na, was hat man dann? Genau: Mac. Ist natürlich klar, dass Bill Gates zuerst an Windows denkt. Man muss halt die Zusammenhänge erkennen.

Apropos Zusammenhänge erkennen: Wenn in jeder Impfdosis ein Chip eingebaut ist, ist die Chips-Krise natürlich schnell erklärt. Darauf bin ich ganz allein ohne Telegram-Konsum gekommen.

Obwohl … bei uns gibt es keine Chips-Krise, wie das Foto eindrücklich dokumentiert. 😁

Chips-Krise?

Neben viel coronabedingtem Frust gab es 2021 auch gute Nachrichten: Andreas Scheuer, der wahrscheinlich schlechteste und für uns Steuerzahler möglicherweise teuerste Verkehrsminister in der Geschichte unseres Landes, sind wir endlich losgeworden. Nicht etwa, weil Merkel und Söder ihn wegen Unfähigkeit rausgeschmissen hätten. Nein, wir haben CDU und CSU abgewählt. Das war definitiv nötig. An wem scheitert seit Ewigkeiten eine verfassungsgemäße Verkleinerung des Bundestages? Erinnert sich noch jemand an die Masken-Dealer aus der Union? Oder an die Task-Force Testbeschaffung aus dem Frühjahr? Die Herren Spahn und Scheuer. Darauf muss man kommen. Da können die hauptberuflichen Kabarettisten einpacken! Aber wahrscheinlich war das leider gar nicht so wahlentscheidenden wie der deplazierte Lacher von Armin Laschet im Flutgebiet.

Über das Agieren der politisch Verantwortlichen in Berlin und den Landeshauptstädten in der Corona-Krise könnte ich annähernd das Gleiche schreiben wie im vergangenen Jahr. Man hat den Eindruck, so richtig viel gelernt hat man da nicht. Siehe Schulen. Immerhin läuft das mit dem Boostern jetzt ganz brauchbar. Und die Ende November eingeführten Regeln haben auch geholfen. Und es sitzt nun – absurde Idee, hat es so etwas schon mal gegeben? – ein Fachmann im Bundesgesundsheitsministerium. Üblicherweise geht es bei der Verteilung von Ministerposten um elementare Qualifikationen wie Parteimitgliedschaft, Flügel-, Geschlechter- oder Bundesland-Proporz.

Aber klar ist: Auch ohne mehr oder weniger sinnvolle Vorgaben und Regelungen in Sachen Corona kann sich jeder von uns verantwortungs- und rücksichtsvoll verhalten. In keinem Gesetz steht, dass ich keine Fliegenpilze essen darf – ich mache es trotzdem nicht.

Ja, es nervt. Masken, Tests, Einschränkungen, die nächste Welle. Zwar war es eine große wissenschaftliche Leistung, so schnell gleich mehrere wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Aber die Hoffnung, dass mit den Impfungen alles schnell vorbei sein würde, hat sich nicht erfüllt. Zum einen ist die Impfquote nicht nur in Deutschland noch viel zu gering (in Afrika liegt die Quote bei ein paar Prozent, da freut sich jede Virus-Mutante), zum anderen hält der Schutz deutlich weniger lang als erwartet und ist bei neuen Virus-Varianten offenbar auch weniger wirksam. Das heißt momentan: Immer mal wieder nachlegen. Nach den Aussagen der Wissenschaftler wirkt Boostern auch gegen Omikron. Zumindest ein paar Monate. Nur zwei Impfungen helfen wohl wenig gegen eine Ansteckung, aber immerhin gegen schwere Verläufe. Die nächste Runde steht dann wahrscheinlich ab dem Frühjahr mit einem angepassten Impfstoff an. Vielleicht bietet Omikron auch den Weg von der Pandemie zur sogenannten endemischen Lage. Ja, wir sind alle zu Hobby-Virologen geworden.

Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, der bisherige Kenntnisstand wird immer wieder überprüft. Das macht es schwierig. Das ist Wissenschaft. Aber die Regeln ändern sich oft noch viel schneller als die Erkenntnisse. Und das in jedem Bundesland anders. Mal R-Wert, mal Inzidenz in häufig wechselnden Höhen, mal Bettenbelegung auf den Intensivstationen, dann doch wieder Inzidenz sollten Maßstäbe sein. Das macht es noch schwieriger.

Mal etwas anderes, aber es passt grob in die Thematik: Warum müssen Krankenhäuser Gewinne machen?

Und die Verquertdenkenden, die es nicht so sehr mit der Wissenschaft haben? Die Oberbesserwisser. Gibt es noch. Nicht viele, aber sehr laut. Und zunehmend gewalttätig. Was viele Kolleginnen immer wieder am eigenen Leib spüren müssen, wenn sie über Demos berichten. Einige der Verquertdenkenden schmücken sich mit Judensternen und stilisieren sich zu heroischen Widerstandskämpfern gegen eine vermeintliche Diktatur. Juden wurden im Zuge der sogenannten nationalsozialistischen „Endlösung“ millionenfach in Konzentrationslagern umgebracht. Ich weiß, eine knifflige Aufgabe: Wer erkennt den Unterschied?

Vorgeblich geht es den Verquertdenkenden um Grundrechte und Freiheiten. Aber nur die eigenen … das kann man Totalitarismus nennen. Wenn Corona vorbei ist, suchen sie sich einen neuen Aufhänger, um gegen das „System“ und die „Merkel-Diktatur“ zu agitieren. Ach nee, letztere ist ja schon weg. Merkel ist übrigens ein bisschen diktatorinnen-unüblich einfach zurückgetreten. Und was haben wir jetzt?

Zum Ende hin kommt noch ein zugegeben abrupter Themenwechsel. Dem ein oder anderen mag es aufgefallen sein, dass ich in den sogenannten sozialen Medien noch weniger aktiv bin als früher. Und das war schon nicht viel. Ich habe keine Lust (mehr) und Besseres zu tun.

Und 2022? Alles Gute! Es kann nur besser werden! 😁