25.07.2021 • Am Freitag wurden die „Spiele der XXXII. Olympiade“, die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, die bekanntermaßen erst in diesem Jahr ausgetragen werden, eröffnet. Am kommenden Freitag beginnen die Leichtathletik-Wettbewerbe im Nationalstadion. Insgesamt sind 206 Nationen vertreten. Zuschauer gibt es keine. Und ich bin auch nicht dabei.

Normalerweise wäre ich übermorgen in den Flieger gen Osten gestiegen. Ich hatte schon für 2020 eine sportart-spezifische Akkreditierung für die Leichtathletik, einen Flug, ein Hotel. Wen es interessiert: Es war das Hotel Star Plaza Ikebukuro für recht günstige 95 Dollar pro Nacht. Eines der etwa 80 offiziellen Medienhotels im Raum Tokio. Mit einem 120 cm × 190 cm großen Bett in einem 13 qm großen Zimmer, 10,8 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt, bis zum Main Press Center sind es 13,8 Kilometer. Die für mich viel spannendere Frage, wie weit das Nationalstadion entfernt ist, beantwortet die Hotelbeschreibung leider nicht. Laut Routenplaner sind es etwa sieben Kilometer. Das Hotel war nicht meine erste Wahl, aber okay.

Egal, das hat sich nun erledigt. Ich habe meine Akkreditierung zurückgegeben, das Hotel gekündigt, für den Flug gab es immerhin einen Gutschein. Nach langem Hin und Her habe ich die Zusage erhalten, dass ich die erste Rate für das Hotel, die ich bereits im Herbst 2019 nach Japan überwiesen hatte, zurückbekomme. Die zweite Rate hatte ich schon nicht mehr bezahlt.

Ich wäre gerne nach Tokio geflogen, hätte gerne von den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben in Wort und Bild berichtet. Hauptgrund für meinen Rückzug: Ich hätte keine Garantie gehabt, an den Wettkampftagen überhaupt ins Stadion zu kommen. Keine für mich akzeptablen Bedingungen, um vor Ort meinen Job zu machen. Der Akkreditierungsprozess begann bereits 2018, es wurden entsprechend normal viele (Bild-) Journalisten zugelassen. Unter Coronabedingungen passen aber deutlich weniger in und auf die Sportstätten.

Im sogenannten „The Playbook - Press“ heißt es dazu: „As a result, a booking system for daily access to competition venues will be in place throughout the Games that will require every member of the accredited Press to make a daily request in advance. Requests will be approved in accordance with the venue capacity for the different press and photo areas.“ Also ein Buchungssystem für den täglichen Zugang zu den Wettkampfstätten – da kann ich auch Lotto spielen.

Darüber hinaus gibt es coronabedingt massive Einschränkungen, die den Spaßfaktor bei einer solchen Veranstaltung so ziemlich auf Null absenken. Siehe dazu den Beitrag des Kollegen Christian Spiller von der Zeit . Wer Lust hat, kann sich das alles in den „Playbooks“ im Detail anschauen.

Ich vermute, viele freie (Bild-) Journalistinnen haben ähnlich entschieden wie ich. Zumindest in meinem direkten Umfeld ist das so.

Also kümmere ich mich in den kommenden Wochen um den regionalen Sport. Aachen statt Tokio. Zuletzt habe ich Bundesliga-Tennis, Fußball und Kampfsport – siehe das Bild oben – fotografiert. Und natürlich berichte ich über die nationale Leichtathletik. Da steht in diesem Jahr noch einiges auf dem Programm.