08.09.2020 • Wenn Nicola Kondziella in der Grube landet, bedeutet das Arbeit für die Kampfrichter mit dem Besen. Die Athletin des TV Wattenscheid 01 gewann bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Heilbronner Frankenstadion mit 6,23 Metern den Weitsprung der U20. Einer von 74 Titel, die am vergangenen Wochenende vergeben wurden. In der U20 waren es schon die 79. nationalen Titelkämpfe, in der U18 immerhin die 33. Auflage.

Coronabedingt waren nur knapp 900 Nachwuchsathleten am Start, 2019 waren es in etwa doppelt so viel. Die Veranstaltung ging unter strengen Hygieneregeln und ohne Zuschauer über die Bühne. Na ja, fast ohne Zuschauer. Wenn man Peter Altmaier heißt und Bundesminister ist, darf man zugucken. Zumindest wurde er von Stadionsprecher Tim Husel an allen drei Tagen begrüßt. Hat ihn auch jemand gesehen? Ich nicht. Obwohl er eigentlich kaum zu übersehen ist …

Ich erwarte mittlerweile nicht mehr, dass hinter Coronaschutzregeln zwangsläufig Logik und Vernunft stecken muss. Es gibt sinnvolle Regeln, die dem Gesundheitsschutz dienen und Ansteckungen verhindern, und es gibt bescheuerte Regeln. Auch die finden ihren Weg in Hygienekonzepte. Warum ich beispielsweise nicht einmal die Maske absetzten darf, wenn ich mitten im Stadion stehe und im Umkreis von 20 Meter keine andere Person zu finden ist, ist nicht nachvollziehbar. Wir mussten in Heilbronn an allen drei Tagen im großen Stadion an der frischen Luft ganztägig eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Unabhängig von eingehaltene Abständen. Auch wenn die Neuinfektionen in Heilbronn zu den höheren in Deutschland zählen, so dass sogar eine Absage der Veranstaltung im Raum stand – die Viren fliegen dort deswegen nicht weiter als in anderen Städten.

Kontrastprogramm heute Abend beim Anhalt-Meeting in Dessau: Kampfrichter ohne Masken, Fotografen ohne Masken, Zuschauer eng zusammen auf der Tribüne. Auch ohne Masken. Muss man nicht verstehen …

Davon abgesehen waren die Arbeitsbedingungen in Heilbronn gut. Zehn Bildjournalisten waren für den Innenraum zugelassen, zehn weitere Fotografen für die Tribüne. Immerhin! Nach einer Anfrage meinerseits konnten wir doch unser Equipment im Innenraum abstellen und hatten schnellen Zugriff auf die Gerätschaften. Da ein Schwung Zeitungen von den Wettkämpfen am Freitag schon in der Samstag-Ausgabe berichten wollten, musste ich zwischendurch immer wieder ans Notebook. Das wäre kaum machbar gewesen, wenn ich dafür hätte jedesmal den Innenraum verlassen müssen. Am Sonntagabend, nach Ende der DM, konnten wir noch ausreichend lang arbeiten. Etwa zweieinhalb Stunden nach dem abschließenden Rennen haben der Kollege Dirk Gantenberg und ich – mal wieder als letzte aus der (Bild-) Journalisten-Riege – das Stadion verlassen. Danke dafür an die Verantwortlichen vor Ort.

Ich habe an den drei Tagen im Frankenstadion übrigens exakt 8113 Fotos gemacht. Meine neuen Kameras von Sony haben eine etwas höhere Auflösung als meine früheren Canon-Geräte, zudem ist die JPEG-Qualität höher (= geringere Kompression), so dass das Datenaufkommen doch drastisch angewachsen ist. 100 GB waren es am Wochenende. Ich befürchte, ich muss mir ein paar Gedanken über Speichergrößen und Backups machen …