29.07.2020 • Am vergangenen Wochenende habe ich das erste Mal wieder seit Monaten Fußball fotografiert – Testspiel der Alemannia Aachen gegen den hessischen Regionalligisten TSV Steinbach auf dem heimischen Tivoli.

Vor dem Spiel hieß es, „aufgrund der Hygienevorschriften“ dürften wir Fotografen – ich war an diesem Tag der einzige – nicht in den Innenraum, sondern nur auf die Tribüne. Üblicherweise sitzen oder stehen wir (hinter der Bande) neben dem Spielfeld. Dort ist auf dem Tivoli viel Platz, und außer uns tummeln sich bei regulären Spielen dort nur die Balljungen und bei Bedarf Security-Mitarbeiter. Beim Testspiel waren aber weder die einen noch die anderen im Einsatz.

Mir erschien es unlogisch und im Hinblick auf eine Entzerrung der Leute im Stadion wenig zielführend, wenn wir uns nicht in einem Bereich aufhalten dürfen, wo wir ziemlich allein sind, und uns stattdessen auf der Tribüne unter die Zuschaue mischen sollten.

Daher fragte ich sowohl bei der Alemannia als auch der Aachener Stadion Beteiligungsgesellschaft mbH (ASB) nach dem zugrunde liegenden Hygienekonzept. Meine kleine Anfrage zog überraschend weite Kreise, führte zu längeren Gesprächen und Diskussionen mit den Verantwortlichen der Alemannia und der ASB. Ergebnis: Es gibt gar kein Hygienekonzept für die Testspiele. Man orientiere sich an der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW, nach der bis zu 30 Personen gemeinsam unter freiem Himmel Kontaktsport betreiben dürfen. Die Alemannia hat diese Obergrenze über den Innenraum des Stadions, also eine (ziemlich große) Fläche, definiert. Mit zwei Mannschaften, Ersatzspielern und dem Schiedsrichter-Team kommen natürlich schnell 30 Personen zusammen. Man kann die Regelung der Coronaschutzverordnung mit etwas Phantasie sicher so interpretieren. Wie sinnvoll das ist, steht auf einem anderen Blatt.

Dank eines Vorschlages des Kollegen Jérôme Gras, der vorher auf dem Tivoli schon Testspiele im Bild festgehalten hatte, konnten wir Fotografen immerhin auf die Positionen der Rollstuhlfahrer/innen. Das sind zwei Podeste ganz unten auf der Haupttribüne links und rechts der Trainerbänke. Das war, für ein Testspiel, in Ordnung, auch wenn die erhöhte Position bei näher liegenden Motiven etwas unschön ist. So stand ich auf Höhe der Eckfahne und verfolgte ein mäßig spannendes 0:0. Das obige Motiv war daher ziemlich genau 113 Meter entfernt (berechnet mit dem Satz des Pythagoras … so kann man Mathematik sinnvoll einsetzen … ;-)

Zuschauer mit Abstand auf der Tribüne.

Da nur eine Handvoll „Rollis“ vor Ort waren, stellten die Abstandsregeln kein Problem dar. Die kleine Anzahl von Zuschauern war auf der Gegentribüne untergebracht.

Bei den Anfang September beginnenden Spielen in der Regionalliga möchte die Alemannia deutlich mehr Zuschauer auf dem Tivoli empfangen. Zu diesem Zweck wird gerade ein Hygienekonzept erarbeitet. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat vor zwei Wochen ein Musterkonzept namens „Zurück ins Spiel – Leitfaden für Trainings- und Spielbetrieb im Amateurfußball“ vorgestellt, das ausdrücklich „Medienvertreter“ im Innenraum vorsieht.